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CO2-Ausstoß von Ländern messen: Debatte mit hohem Einsatz

Oktober 2021 - 11 min lesen

Warum einige Kennzahlen genauer, gerechter und effizienter sind als andere.

Da die Auswirkungen des Klimawandels immer deutlicher werden - vom Anstieg des Meeresspiegels bis hin zu häufigeren und verheerenderen Naturkatastrophen - wird der Handlungsbedarf von Tag zu Tag dringender. Die Verantwortung für die Umwelt hat sich auf alle Bereiche der Finanzindustrie ausgeweitet. Insbesondere Vermögensverwalter verzeichnen zunehmendes Interesse von Kunden, Aufsichtsbehörden und der Öffentlichkeit, diese Bemühungen zu unterstützen, indem Finanzströme in die Unternehmen gelent werden, die in Umweltfragen verantwortlicher handeln.  

Um umweltfreundliche Investitionen zu fördern, muss es unserer Meinung nach eine Art Konsens über die angemessene Messung der Kohlenstoffintensität sowohl auf der Ebene der einzelnen Investition als auch auf Portfolioebene geben. Einen solchen Konsens gibt es jedoch bis heute nicht. Das zeigt sich beispielsweise bei Schuldtiteln aus Schwellenländern, wo Standards und Kennzahlen zur Erfassung der Kohlenstoffintensität von Staatsanleihen noch immer diskutiert werden. 

Es ist jedoch durchaus möglich, diese Daten für Staatsanleihen sowohl auf der Ebene der Vermögenswerte als auch des Portfolios zu verfolgen. Regierungen können nämlich nicht nur die Emissionen des öffentlichen Sektors kontrollieren, sondern auch die des privaten Sektors, einschließlich der Unternehmen und Haushalte, beeinflussen. Unserer Meinung nach sollte die Bezugseinheit daher das Land als Ganzes sein, aber wie die Kohlenstoffintensität richtig gemessen und verfolgt werden kann. Sollte die Kohlenstoffintensität im Verhältnis zum BIP ausgedrückt werden? Oder pro Kopf? Der fehlende Konsens in dieser Frage führt zu verwirrenden Vergleichen zwischen einzelnen Ländern - und zu merkwürdigen Anreizstrukturen für die Länder, die den Klimawandel in Angriff nehmen. 

Das sind nun nicht nur theoretische Debatten oder Themen für Experten. Denn Vermögenseigentümer und Aufsichtsbehörden verpflichten Vermögensverwalter zunehmend zu spezifischen Messgrößen und zur Einhaltung von Grenzwerten hinsichtlich der Kohlenstoffintensität ihrer Portfolios. Infolgedessen investieren diese Kapital in verschiedenen Ländern, die diesen Grenzwerten und Beschränkungen unterliegen. Die Wahl der am besten geeigneten Messgröße wird erhebliche Auswirkungen darauf haben, welche Länder letztendlich Finanzmittel zur Bekämpfung des Klimawandels erhalten - und welche nicht. 

Wir sind der Meinung, dass die Messung der Kohlenstoffintensität anhand einer verbrauchsbasierten Bilanzierung auf Pro-Kopf-Basis intuitiver und gerechter ist und besser mit internationalen Vereinbarungen übereinstimmt als andere Messungen der Kohlenstoffintensität. Und zwar aus folgendem Grund.
 

Wer sollte den Preis zahlen: Kohlenstoffproduzenten oder Kohlenstoffverbraucher? 

Es gibt zwei Möglichkeiten, die Kohlenstoffemissionen eines Landes zu messen:  zum einen die produktionsbasierte Bilanzierung, bei der alle Treibhausgasemissionen der in einem Land produzierten Waren und Dienstleistungen (einschließlich derer, die anschließend exportiert werden) zusammengefasst werden. Zum anderen verbrauchsbasierte Bilanzierung, bei der die im Inland produzierten Kohlenstoffemissionen in Kombination mit den Nettoimporten von Kohlenstoffemissionen von Waren und Dienstleistungen betrachtet werden. Ein Land, das beispielsweise 100 Einheiten CO2-Emissionen produziert, aber nur 70 vor Ort verbraucht, hat bei der produktionsbasierten Bilanzierung 100 Emissionseinheiten, bei der verbrauchsbasierten Bilanzierung aber nur 70 (plus andere potenzielle Nettoimporte).

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