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Schwellenländeranleihen: Zinsen, Wachstum, China und mehr

Oktober 2021 - 4 min lesen

Im dritten Quartal waren erneut Marktschwankungen zu verzeichnen. Dennoch lassen sich mehrere positive Faktoren erkennen, die Staats-, Unternehmens- und Lokalwährungsanleihen aus Schwellenländern weiterhin stützen.

Unsicherheit bezüglich der Schwellenländer nahm im dritten Quartal rasch zu, da sich die Delta-Mutation weltweit ausbreitete und aufsichtsrechtliche Eingriffe in China volatile Marktbewegungen anfachten. Daher war die Wertentwicklung bei Staats-, Unternehmens- und Lokalwährungsanleihen im Quartal rückläufig: Sie betrug jeweils negative 2,07 Prozent, minus 0,67 Prozent bzw. minus 3,43%.1 Positiv war allerdings zu vermerken, dass die Anlageklasse noch immer von der Erholung der Weltwirtschaft sowie von Fortschritten bei den Impfkampagnen in zahlreichen Schwellenländern profitiert.
 

Staats- und Lokalwährungsanleihen: Stützendes Umfeld trotz Gegenwind 

Die Auswirkungen der Ereignisse in China und der erwarteten Zinserhöhungen in den Industrieländern sind auch in den Schwellenländern zu spüren. Trotzdem gibt es Gründe für die Annahme, dass der Anlageklasse langfristig weiterhin günstige Aussichten bevorstehen:  Viele Schwellenländer haben ihren Finanzierungsbedarf in den letzten Jahren gesenkt, und die Handelsbilanzen haben sich seit dem Ausbruch der Pandemie deutlich verbessert – unterstützt durch höhere Rohstoffpreise und konstante Nachfrage in der Region. Auch wenn steigende Zinsen in den Industrieländern den Zugang der Schwellenländer zu externen Finanzierungsmöglichkeiten einschränken können, sind viele Länder heute weniger auf Mittel von ausländischen Investoren angewiesen und daher besser in der Lage, Abflüsse zu verkraften. 
 

ABBILDUNG 1: DIE HANDELSBILANZEN DER SCHWELLENLÄNDER VERBESSERN SICH DEUTLICH 

Quelle: Bloomberg. Stand: 31. Juli 2021.
 

Gleichzeitig bewerten wir die Wachstumsstory der Schwellenländer insgesamt weiterhin positiv. Sie wird durch die anhaltende Erholung sowohl in den Industrie- als auch in den Schwellenländern unterstützt. Vor allem die verstärkte fiskalpolitische Schlagkraft der Industrieländer hält die Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen aus den Schwellenländern aufrecht. Unterdessen bleibt die Kapitalunterstützung durch Moratorien und Stundungen nach der Pandemie bestehen und kommt den Schwellenländern nach wie vor zugute. Auch der Welthandel belebt sich nach einigen Jahren der weitgehenden Stagnation inzwischen wieder, was die Anlageklasse zusätzlich stützen dürfte. 

Zwar sind kurzfristig Herausforderungen zu überwinden, dennoch schaffen diese Faktoren ein allgemein günstiges Umfeld für Staatsanleihen in Hartwährung und Lokalwährungsanleihen aus Schwellenländern. Was in Hartwährung begebene Staatsanleihen betrifft, sehen wir sowohl in Ländern mit Investment-Grade-Rating als auch in Hochzinsländern weiterhin Chancen. Als besonders attraktiv erachten wir mit BB eingestufte Emittenten wie Kolumbien, Marokko und Serbien, da die Spreads nach der Pandemie im Vergleich zum Investment-Grade-Segment meist weit geblieben sind. Doch angesichts der Vielfalt, Komplexität und beträchtlichen Streuung der Performance von Emittent zu Emittent ist ein aktives Management in Verbindung mit einem Bottom-up-Ansatz bei der Länderauswahl der Schlüssel, um Chancen zu nutzen und „faule Äpfel“ zu vermeiden, die es durchaus auch gibt.  Lokalwährungsanleihen geben ein gemischtes Bild ab, da Währungen in einem Umfeld steigender Zinsen höchstwahrscheinlich Gegenwind droht, insbesondere den Devisen der Länder, die weiterhin stärker von ausländischer Finanzierung abhängig sind. Zwar sind auch lokale Zinsen betroffen, aber Länder, die ihre Leistungsbilanz allmählich verbessern konnten – wie Südafrika, Brasilien und Mexiko – sind offenbar besser aufgestellt.
 

Unternehmensanleihen: Chancen inmitten der Volatilität 

Das harte Durchgreifen der Kommunistischen Partei Chinas hat den Markt für Unternehmensanleihen aus Schwellenländern im dritten Quartal in Aufruhr versetzt – insbesondere die neuen Vorschriften und Geldstrafen, die gegen Sektoren wie Immobilien, Technologie und Bildung verhängt wurden. Bedenken hinsichtlich des chinesischen Bauträger Evergrande und die mögliche  Ansteckungsgefahr für andere Immobilien-Emittenten sorgten für weitere Turbulenzen  auf dem Markt. 

Sofern die laufenden Regulierungsmaßnahmen – speziell nachlassende Aktivität im Immobiliensektor – das Wachstum aus China bremsen, ist ein Übergreifen auf die übrigen Schwellenländer möglich, auch wenn die Auswirkungen wohl nicht einheitlich wären. So könnten beispielsweise Metall- und Bergbauunternehmen beeinträchtigt sein, da auf China etwa 50–75 Prozent der weltweiten Metallnachfrage entfallen. Im Gegensatz dazu dürfte der Energiesektor weiterhin Unterstützung erfahren, da er nicht so direkt von China abhängig ist, auf das rund 10–12 Prozent des weltweiten Verbrauchs entfallen (Abbildung 2). 
 

ABBILDUNG 2: CHINAS ANTEIL AN DER WELTWEITEN NACHFRAGE NACH AUSGEWÄHLTEN ROHSTOFFEN  

Quelle: J.P. Morgan Schätzungen. As of September 2021.
 

Mit Blick auf die Zukunft werden Unternehmen in den Schwellenländern zwar weiterhin von der Erholung der Weltwirtschaft profitieren, doch könnten sich die Bedingungen eintrüben, da Beeinträchtigungen in den Lieferketten den Inflationsdruck verschärfen und Gewinnmargen belasten könnten. Die derzeitigen Stromabschaltungen in China, mit denen versucht wird, die offiziellen Zielvorgaben hinsichtlich Energieverbrauch zu erreichen, könnten zu einer weiteren Güterverknappung führen und diese Herausforderungen noch verstärken. Positiv ist zu vermerken, dass Schwellenländer-Unternehmen aus fundamentaler Sicht insgesamt weiterhin recht stark sind. Einige Emittenten erzielen inzwischen wieder Umsatz- und EBITDA-Niveaus aus der Zeit vor der Pandemie, und wir rechnen mit stetiger Verbesserung im Zuge der weiteren Erholung der Weltwirtschaft. Außerhalb des angeschlagenen chinesischen Immobiliensektors ist der Schuldenstand durchweg recht gesund und hat in vielen Fällen wieder das Vor-Pandemie-Niveau erreicht. Während die Ausfallraten für Schwellenländer-Unternehmen in Zukunft steigen könnten, dürften sich die Ausfälle unserer Meinung nach weitgehend auf Asien konzentrieren. 

Vor diesem Hintergrund halten wir Unternehmensanleihen aus Schwellenländern für attraktiv, zumal die Spreads im Vergleich zu den Industrieländern nach wie vor weit sind. Beispielsweise bieten Investment-Grade-Unternehmensanleihen aus Schwellenländern derzeit einen Aufschlag von rund 20–30 Basispunkten (Bp) gegenüber ihren Vergleichswerten aus Industrieländern, während High Yield einen Bonus von etwa 50–70 Bp aufweist.2 Zudem finden wir nach wie vor Potenziale in global diversifizierten Unternehmen aus Schwellenländern, die vom Markt aufgrund ihres Gesellschaftssitzes in Ländern mit idiosynkratischen Risiken zu Unrecht abgestraft werden. Angesichts dieser Risiken weiten sich die Spreads der Unternehmensanleihen häufig über das Niveau hinaus aus, das die Fundamentaldaten vermuten lassen, sodass sich Anlagechancen bei soliden Emittenten zu attraktiven Preisen ergeben, wie wir es zuletzt in China, Indien und der Türkei gesehen haben. Im aktuellen Umfeld kann es auch von Vorteil sein, kurzlaufende Schuldtitel aus den Schwellenländern in Betracht zu ziehen, die die Möglichkeit bieten können, bei geringerer Volatilität einen Renditeaufschlag und Diversifizierung zu erzielen.
 

Was nun?

Es sind einige Unwägbarkeiten am Horizont zu erkennen: von Zinserhöhungen in den Industrieländern über die politische und aufsichtsrechtliche Situation in China bis hin zu geopolitischen Spannungen. Diese und weitere Faktoren könnten in nächster Zeit für Volatilität sorgen. Dennoch gehen wir davon aus, dass auch Möglichkeiten entstehen werden, Ineffizienzen auf dem Markt zu erkennen und zu nutzen. Die fundamentale Bottom-up-Analyse wird dabei von entscheidender Bedeutung sein – nicht nur zur Identifizierung von Ländern und Unternehmen, die sich selbst in Zeiten von Marktturbulenzen als defensiv erweisen sollten, sondern auch um schwächere Emittenten und Risiken zu vermeiden.
 

1. Quelle: J.P. Morgan. As of September 30, 2021.
2. Quelle. J.P. Morgan. As of September 30, 2021.

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