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ESG in Asien: Wachsende Dynamik

Mai 2021 - 4 min lesen

Die regulatorische ESG-Landschaft in Asien entwickelt sich rasch weiter, sodass nachhaltige Praktiken immer mehr Investitionsentscheidungen beeinflussen. Folglich sind asiatische Unternehmen mit besseren oder weitreichenderen ESG-Informationen gut für die Zukunft gerüstet.

Die regulatorische Landschaft Asiens macht in Bezug auf die Einführung von Umwelt-, Sozial- und Governance-Standards (ESG) weiterhin Fortschritte. Chinas Bekenntnis zum Pariser Abkommen war vielleicht das beste Beispiel für die wachsende Dynamik. Das Land hat sich verpflichtet, die Treibhausgasemissionen zu reduzieren und bis 2060 die Kohlenstoffneutralität zu erreichen. Aber auch zahlreiche weitere Länder – und damit auch Unternehmen – in der Region machen erhebliche Fortschritte, nicht nur aufgrund der Regulierung, sondern auch aufgrund des zunehmenden Fokus der Anleger auf ESG und dessen Potenzial, die Anlageperformance langfristig zu beeinflussen.

Im Großen und Ganzen sollte diese Dynamik in den kommenden Jahren zu qualitativ hochwertigeren ESG-Daten in Asien führen, was wiederum die Risiken und Chancen, die an den Aktienmärkten der Region bestehen, besser aufzeigen wird. Während viele Unternehmen offenbar sehr gut aufgestellt sind, um sich an diese Veränderungen anzupassen, werden nicht alle Unternehmen erfolgreich sein – und eine sorgfältige Bottom-up-Analyse wird der Schlüssel zur Differenzierung sein.
 

Gute Fortschritte

Hongkong, Singapur und Thailand machen in Sachen ESG stetige Fortschritte, indem sie entweder verbindliche Anforderungen an die Offenlegung festsetzen oder Anreize für Unternehmen schaffen, dies zu tun. In Hongkong gibt es beispielsweise einen klaren Rahmen für ESG-Richtlinien, der von Unternehmen verlangt, einen „comply or explain“-Ansatz zu verfolgen: Wenn ein Unternehmen die Offenlegungsanforderungen nicht erfüllt, ist es verpflichtet, eine Erklärung abzugeben. Die Verantwortung für die Offenlegung liegt auch beim Vorstand des Unternehmens, was unserer Meinung nach ein effektiver Weg ist, um bessere ESG-Verhaltensweisen zu fördern. In Singapur sind Unternehmen aufgefordert, die 2016 von der Singapore Exchange eingeführten lokalen Richtlinien einzuhalten oder zu erklären, warum sie dies nicht tun.

In Thailand verfolgen die Regulierungsbehörden unterdessen einen einzigartigen Ansatz zu ESG. Die Stock Exchange of Thailand (SET) hat 2015 eine Thailand Sustainability Investment-Liste (THIS) erstellt, die Unternehmen enthält, die einen festgelegten Schwellenwert für 19 ESG-Parameter erfüllen. Diese Liste stellt nicht nur die Unternehmen heraus, die Fortschritte machen und sich für bessere Geschäftspraktiken einsetzen, sondern bewirkt auch, dass sich die Unternehmen für die Aufnahme in globale Portfolios eignen, die in nachhaltige Unternehmen investieren. Die Liste dient als klarer Motivator für Unternehmen, die Offenlegung zu verbessern, und wuchs von 51 Aktien im Jahr 2015 auf 124 im Jahr 2020.1

Durch diese Bestimmungen entsteht ein Vorteil für die Unternehmen, die sich an die ESG-Agenda Asiens anpassen können, während sie für die Firmen mit Schwierigkeiten bei der Anpassung ihrer Geschäftsmodelle eine Herausforderung darstellen. Insbesondere Unternehmen, die in ihrer Branche nachhaltigere Praktiken ermöglichen, sind gut für die Zukunft gerüstet. Ein Beispiel ist der Hongkonger Versicherer AIA Group. Das Unternehmen veröffentlicht derzeit einen detaillierten ESG-Bericht und reduziert im Rahmen seiner nachhaltigen Anlagephilosophie seit 2017 seine Investitionen in kohlenstoffintensive Sektoren. Ein weiteres Beispiel ist die Börse in Hongkong, die vor Kurzem ein Rahmenwerk für grüne Finanzierungen eingeführt hat und damit das Ziel verfolgt, nachhaltige Finanzierungen für ökologisch ausgerichtete Unternehmen erschwinglicher zu machen.


 

Steigendes Tempo

Daneben gibt es Länder wie Indien und China, die in ihrer ESG-Politik zwar noch nicht so weit fortgeschritten sind, aber bereits beeindruckende Fortschritte erzielen. In Indien zum Beispiel gibt es zwar Anforderungen an die Offenlegung, in den meisten Fällen sind diese aber freiwillig. Es ist jedoch anzumerken, dass Indiens Börsenaufsichtsbehörde SEBI (Securities and Exchange Board of India) kürzlich einen Richtlinienentwurf verabschiedet hat, der die 1.000 größten Unternehmen nach Marktkapitalisierung verpflichtet, ihre ESG-Initiativen offenzulegen. Gleichzeitig wird den Unternehmen im Land zunehmend bewusst, wie sich ein besseres ESG-Verhalten positiv auswirken kann. Wir haben dies bei Unternehmen wie der indischen Firma Reliance Industries gesehen, die aktiv versucht, ihren Mix aus kohlenstoffintensiven Raffinerie- und Petrochemiegeschäften zu diversifizieren und zu reduzieren, indem sie offensiv in umweltfreundlichere Geschäftsbereiche wie Digital- und Einzelhandel investiert. In China hingegen gibt es noch keine einheitlichen ESG-Vorschriften. Das könnte sich jedoch schon in diesem Jahr ändern, da die China Security Regulatory Commission (CSRC) im Begriff ist, eine umfassende Liste von ESG-Standards fertigzustellen. Während der Schwerpunkt der Regulierung bisher auf der Governance lag, wird das bereits erwähnte Ziel Chinas, klimaneutral zu werden, wahrscheinlich auch der Umweltkomponente zusätzlichen Schwung verleihen.

Da die Regulierung in einigen dieser Länder in den kommenden Jahren weiter zunehmen wird, erwarten wir besondere Chancen bei Unternehmen, die konkrete Schritte zur Verbesserung ihrer ESG-Praktiken unternehmen, oder bei solchen, die einen direkten Beitrag zur nachhaltigen Agenda der Region leisten, indem sie beispielsweise Produkte oder Dienstleistungen anbieten, die zur Verbesserung der Umweltsituation oder zur Reduzierung von Kohlenstoffemissionen beitragen. Zum Beispiel könnten Unternehmen, die Batterien für Elektrofahrzeuge herstellen – eine Branche, die besonders vom weltweiten Vorstoß in umweltfreundliche Investitionen profitiert hat – für zukünftiges Wachstum gerüstet sein. Die asiatischen Firmen CATL und LG Chem stehen an der Spitze dieses wachstumsstarken, aber hoch konzentrierten Sektors.

Das Fundament legen

Es gibt auch eine Handvoll Länder, die sich zwar noch im Anfangsstadium der ESG-Einführung befinden, aber auf dem richtigen Weg sind und in den kommenden Jahren entsprechende Bestimmungen in Kraft setzen werden. Taiwan ist ein Beispiel dafür. Während ESG-Angaben heute noch freiwillig sind, werden Unternehmen ab 2022 verpflichtet sein, die Standards der Global Reporting Initiative zur ESG-Berichterstattung zu befolgen, die Unternehmen dabei helfen sollen, auf konsistente Weise über ihre Nachhaltigkeit zu berichten. Das legt nahe, dass sich die Qualität der Offenlegung in Taiwan in Zukunft deutlich verbessern könnte. In Südkorea ist man in einer ähnlichen Situation. Dort müssen große börsennotierte Unternehmen ab 2025 ESG-Daten offenlegen. Allerdings sind die ESG-Praktiken einiger großer südkoreanischer Unternehmen bereits weiter als die Vorschriften lokaler Standards.

In Anbetracht dieser bevorstehenden Richtlinien sind Unternehmen, die diese bereits einhalten oder kurz davor stehen, gut für Wachstum aufgestellt. Die Taiwan Semiconductor Manufacturing Company ist ein Beispiel dafür. Insbesondere die Governance-Struktur, das Ressourcenmanagement und die Supply-Chain-Initiativen des Unternehmens erfüllen nicht nur die Auflagen, sondern übertreffen in einigen Fällen sogar die taiwanesischen Vorschriften und die globale Technologiekonkurrenz. Die südkoreanische Online-Plattform Naver ist ein weiteres Beispiel für ein Unternehmen, das über die lokalen Marktvorschriften hinausgeht. Es schneidet bei Governance-Parametern besonders gut ab, da die Mehrheit des Vorstands unabhängig ist und die Rollen des Chairman und des CEO getrennt sind. Unserer Einschätzung nach zählen diese starken ESG-Praktiken in Kombination mit den soliden Fundamentaldaten des Unternehmens zu den Gründen, warum Naver mit einem Aufschlag gehandelt wird.


 

Zentrale Erkenntnis

Die wachsende ESG-Dynamik in Asien wird wahrscheinlich die Landschaft der Aktienanlagen in den kommenden Jahren umgestalten und den Weg für attraktive Chancen an den Börsen der Region ebnen. Während Länder weitere Vorschriften erlassen und ausbauen und ESG zu einem festen Bestandteil des Umfelds wird, werden einige Unternehmen unweigerlich besser aufgestellt sein als andere. Unseres Erachtens ist eine sorgfältige Bottom-up-Aktienauswahl erforderlich, um die Unternehmen zu identifizieren, die von diesem Wandel profitieren werden – und auch um die Unternehmen zu vermeiden, die eine größere Bedrohung für ihr Geschäftsmodell erfahren könnten. Bei Barings ist ESG in jedem Schritt unseres Anlageprozesses verankert, denn unserer Überzeugung nach ermöglicht uns das eine bessere Einschätzung von Risiken und Chancen, die in der traditionellen Fundamentalanalyse möglicherweise nicht ersichtlich sind. Darüber hinaus arbeiten wir mit den Managementteams der Unternehmen zusammen, um die Offenlegung von Nachhaltigkeitsdaten zu verbessern und uns für robustere Praktiken einzusetzen. Damit tragen wir weiter dazu bei, dass die ESG-Dynamik in Asien an Fahrt aufnimmt.
 

1. Quelle: Stock Exchange of Thailand. Stand: Dezember 2020.

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