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Auf der Suche nach den besten ESG-Indikatoren für die Länderanalyse

Januar 2021 - 11 min lesen

In der griechischen Mythologie stellen sich die Helden ihrem Schicksal, obwohl sie wissen, dass es tragisch enden wird.

In der griechischen Mythologie stellen sich die Helden ihrem Schicksal, obwohl sie wissen, dass es tragisch enden wird. Die Motivation besteht oftmals darin, einer Herausforderung zu begegnen und den Kampf zu wählen, auch wenn eine Vorahnung besteht, dass der Kampf aussichtslos sein könnte. Das Barings Emerging Markets Debt Team begab sich vor Kurzem auf eine weniger eindringliche Art und Weise auf eine kleine Odyssee durch die Tiefen der staatlichen ESG-Indikatoren (Environmental, Social, Governance; Umwelt, Soziales, Governance) als Teil eines größeren Ziels, eine nachhaltigere langfristige Performance für Anleger zu erzielen.
 

An den Mast unserer Methodik gebunden (Annäherung an die Sirenen)

Auf dieser Reise mussten wir unseren Kurs halten, um nicht in der Fülle der bestehenden ESG-Kennzahlen unterzugehen. Daher lag unser erster Schritt darin, Ziele für E, S und G zu definieren und dabei unseren Fokus auf nachhaltiges Wachstum als Treiber der Bonität und auf die Verbesserung von sozialen Indikatoren, institutioneller Stärke und ökologischer Widerstandsfähigkeit im Laufe der Zeit beizubehalten. Anschließend ermittelten wir, welche Parameter gemessen und überwacht werden sollten und könnten, um die Leistung in Bezug auf das festgelegte ESG-Ziel zu bewerten.
 

Governance-Ziel: Nachhaltiges Wachstum.

Hier wollten wir herausfinden und bewerten, welche Institutionen und Governance-Bedingungen nachhaltiges Wachstum fördern und wie sie länderübergreifend gemessen werden können. Wir konzentrierten uns auf die Analyse der länderspezifischen Wachstumsmuster und politischen Unruhen in den letzten 50 Jahren und bewerteten gleichzeitig das Risiko wiederholter Bedrohungen für die Stabilität der Länder. Darüber hinaus nutzten wir Indikatoren für das Risiko eines Staatsversagens und politisches Experimentieren zur Unterstützung von Wachstum, Innovation und technologischem Fortschritt als Elemente förderlicher Institutionen.
 

Soziales Ziel: Umfangreiche Armutsbekämpfung.

In dieser Hinsicht wollten wir ergründen, welche politischen Maßnahmen eine gerechte Verteilung des Wachstums fördern – und welche Schritte die schwächsten Bevölkerungsgruppen schützen und Chancen für alle schaffen. Armut ist natürlich ein komplexes, multidimensionales Thema, denn es bezieht sich auf Armut in Hinsicht auf Einkommen, Rechte, Chancen und Möglichkeiten1. Um eine gute Vorstellung davon zu bekommen, wie effizient die Politik zur Armutsbekämpfung ist, fanden wir es daher sinnvoll, die Prioritäten von Regierungen und ihre Entwicklung im Laufe der Zeit zu bewerten – mittels Analyse der relativen Ausgaben für Bildung, Gesundheit und Militär – sowie die Effizienz der Regierungsausgaben und die Zuverlässigkeit der Regierungsdaten einzuschätzen.
 

Umweltziel: Bessere Widerstandsfähigkeit gegenüber Umweltschocks, Erhalt der natürlichen Ressourcen eines Landes und Beitrag zu einer positiven Umwelt auf globaler Ebene.

Hier wollten wir messen, wie effektiv Länder ihre eigenen natürlichen Ressourcen schützen und zu einer positiveren Umwelt auf globaler Ebene beitragen, wobei wir den schwierigen Zielkonflikt einiger Länder zwischen nachhaltigem Wachstum und dem Erhalt der Umwelt berücksichtigt haben. Während es im langfristigen Interesse aller Länder liegt, sich an den globalen Bemühungen um den Erhalt der Umwelt zu beteiligen, müssten einige Länder für die realen Kosten und die Opportunitätskosten des Ausstiegs aus umweltschädlichen Industrien kurz- und mittelfristig entschädigt werden. Daher wählten wir Indikatoren, die Aufschluss über die Seriosität der Regierungen in Bezug auf nationale und globale Umweltfragen gaben, ohne dabei Länder zu bestrafen, die auf weniger umweltfreundliche Rohstoffe oder Industrien angewiesen sind, um ihre Wirtschaft kurzfristig zu entwickeln.
 

An den Sirenen vorbeisegeln: Vermeidung eines vereinfachten Scorings

Auf dieser Etappe der Reise hätte es verlockend sein können, synthetische ESG-Länderscores anhand verschiedener Indikatoren zu berechnen, ein Ranking zu erstellen und die Entwicklung der Scores im Laufe der Zeit zu beobachten. Allerdings geht das ESG-Scoring für einzelne Länder mit erheblichen Problemen einher. Trotz unserer Bemühungen, die zuverlässigsten Indikatoren zu wählen, ist die Datenerfassung über Länder oder Zeiträume hinweg nicht immer konsistent. Die Indikatoren sind verschiedener Natur und haben unterschiedliche Maßstäbe, daher würde eine Normalisierung und Aggregation zu einem einzigen Score einen erheblichen Verlust an Informationen und Konsistenz bedeuten. Einzelne ESG-Scores hindern uns auch daran, die drängendsten ESG-Themen für jedes Land zu identifizieren, sich verbessernde Trends nach Bereichen aufzudecken und uns auf relevante Engagement-Möglichkeiten zu konzentrieren.
 

Hat sich die Reise gelohnt?

Wir haben auf unserer Reise einige wichtige Erkenntnisse gewonnen – zum Beispiel die Bedeutung davon, einen nützlichen Datensatz zu pflegen, um wichtige und relevante ESG-Faktoren zu ergründen und zu überwachen. Wir betrachten unsere ausgesuchten länderübergreifenden Indikatoren eher als Screening-Tool denn als aktives Auswahlinstrument – wir können somit Länder ausschließen, wenn sie über viele Indikatoren hinweg schwache, sich verschlechternde ESG-Scores aufweisen, dennoch reichen gute Scores allein nicht aus, um eine größere Position im Portfolio aufzubauen.

Bei Barings führen wir bei jeder Anlagechance, die wir in Betracht ziehen, ESG-Analysen durch. Bei der Bewertung von ESG-Faktoren im Kontext von Nachhaltigkeit und Bonität stützen wir uns auf unsere tief gehende Erfahrung – und die Analyse einschlägiger Informationsmaterialien. Unser oberstes Ziel liegt in abgestimmten mittel- und langfristigen Interessen von Anlegern und anderen Stakeholdern wie Regierungen, Bürgern, der Zivilgesellschaft und zukünftigen Generationen.
 

1. Quelle: Amartya Sen, wie in seinem Nobelvortrag zusammengefasst (1998).

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