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Schwellenländeranleihen: Mit aktiver Vermögensverwaltung den Stürmen trotzen

November 2019 - 6 min lesen

Ricardo Adrogué, spricht in diesem Interview über die Risiken für die Weltwirtschaft—vor allem in Regionen wie China, dem Nahen Osten und Argentinien—und legt dar, warum eine aktive Vermögensverwaltung entscheidend für die Performance ist.

Im Laufe des Jahres 2019 haben diverse makroökonomische Risiken—darunter eine  erlangsamung des Weltwirtschaftswachstums—für Schwierigkeiten und Unsicherheit in den  ufstrebenden Volkswirtschaften gesorgt. Blickt man auf Anleihen aus den Schwellenländern, so fallen diesbezüglich einige Länder ins Auge—vielleicht China am meisten. Wie beurteilen Sie die Situation dort, und inwiefern sind die Schwellenländer auf breiterer Basis betroffen? 

Aus der Perspektive der Märkte stellt eine Verlangsamung des chinesischen Wirtschaftswachstums wohl eines der größten Risiken für das Jahr 2020 dar. Traditionell bewegt sich das jährliche Wachstum in China bei etwa 6–7%. Allerdings zeigen die jüngsten Konjunkturdaten einen leichten Rückgang in Richtung 5,5%. Interessanterweise scheint die Abkühlung der Regierung keine allzu großen Sorgen zu bereiten. Tatsächlich scheinen die Entscheidungsträger in China absichtlich zuzulassen, dass sich die Wirtschaft stärker als erwartet abschwächt. Die Gründe dafür sind bisher noch unklar. Möglicherweise geht es um den allgemeinen Wandel weg von einer produktions—und hin zu einer konsumgetriebenen Wirtschaft, oder aber es spielen Veränderungen in den internationalen Handelsbeziehungen eine Rolle. Bekanntlich sind die Exporte in die USA seit Anfang 2019 stark rückläufig, und die chinesische Regierung hat es—ungeachtet des ständigen Hin und Hers in den täglichen Schlagzeilen—allem Anschein nach nicht eilig, ein Handelsabkommen zu schließen.

Wir glauben sogar, dass China bereit ist, die negativen wirtschaftlichen Folgen der Handelsstreitigkeiten auch im Jahr 2020 weiter zu tolerieren, denn höchstwahrscheinlich glaubt man, dass mit Präsident Trumps Amtsnachfolger—sollte er nicht wiedergewählt werden—ein günstigeres Abkommen geschlossen werden kann. Auffallend ist, dass die
Marktakteure in letzter Zeit weniger stark auf Trumps Posts in den sozialen Medien über den Fortschritt der Handelsgespräche reagierten, was darauf schließen lässt, dass sich die Märkte nicht länger von Rhetorik allein beeinflussen lassen.

Wir erleben hier im Grunde eine Umkehrung der Globalisierung—wobei die Handelspolitik Trumps eine Abkoppelung der USA vom Rest der Welt anzeigt. Auf die USA und China entfallen rund 40% des Welthandels. Längerfristig könnte daher diese Aufgabe der globalen Führerschaft weltweit wesentliche wirtschaftliche Konsequenzen haben—insbesondere für die aufstrebenden Volkswirtschaften, die für die Deckung ihres Güter—und Dienstleistungsbedarfs auf den Handel angewiesen sind.

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